Jeder Zustand und jede Fähigkeit einer Person oder Sache werden durch die ihnen
entsprechende Betätigung erhalten und gefördert: die Fähigkeit zu gehen durch Gehen,
die zu laufen durch Laufen, …
Epiktet
… die zu tanzen durch Tanzen.
Werner Stangl
Zum Tanzen lernen ist es nie zu spät, denn dabei macht man nicht nur körperliche Bewegung, sondern ist auch geistig beim Erlernen von Schrittkombinationen gefordert. Dabei lernt man neue Menschen kennen und kann so auch soziale Bedürfnisse befriedigen. Tanzen trainiert nicht nur den Gleichgewichtssinn, sondern auch das Gedächtnis und die Bewegung lässt durch die Ausschüttung von Endorphinen zudem manchen Schmerz vergessen. Während man dafür beim Joggen schon recht lange laufen muss, damit sich bei der Ausschüttung der Hormone etwas tut, passiert es beim Tanzen sofort, wobei das Geheimnis in der Mischung aus Musik und Bewegung liegt, was etwa Tanztherapeuten nutzen. Wie sehr die rhythmische Bewegung hilft, den Körper geschmeidig zu halten und die Schmerzen zu vergessen, wurde mittlerweile in zahlreichen Studien nachgewiesen. Wissenschafter untersuchten über viele Jahre Menschen über 75 Jahre und es zeigte sich, dass Sportarten wie Jogging, Schwimmen oder Radfahren ihnen weniger Nutzen brachten als Tanzen, da körperliche Aktivitäten allein zwar den Stoffwechsel im Gehirn stimulieren, doch Tanzen wirkt darüber hinaus vorbeugend gegen den Untergang von Nervenzellen in der Großhirnrinde, die für das menschliche Gedächtnis, Denkvermögen und Sprache verantwortlich ist. Wer Schrittkombinationen bei Musik erlernt, trainiert nicht nur das Gedächtnis intensiv, sondern auch seinen Gleichgewichts- und Orientierungssinn.
Besonders gut für körperliche und geistige Fitness ist der
Um etwa Square Dance zu erlernen, braucht man keinerlei Vorkenntnisse von Tanzschritten, die Ansagen erfolgen zwar in Englisch, aber diese Begriffe lernt jeder relativ rasch. Square Dance ist ein Volkstanz, der in den USA entstanden ist, wobei die verschiedenen Tanzfiguren, die im Square Dance benutzt werden, auf traditionellen Volkstänzen der verschiedenen Völker, die in die USA eingewandert sind, basieren. Square Dance wird von vielen Menschen in aller Welt getanzt.
Square Dance wird in Gruppen zu je vier Paaren getanzt, die zu Beginn auf den vier Seiten eines Quadrats (Englisch Square) stehen. Die Figurenfolgen werden durch Ansagen (Calls) eines Callers (Ausrufer) in gesprochener oder gesungener Form angegeben. Diese Calls sind weltweit genormt – so kann ein Tänzer aus Deutschland jederzeit ohne Schwierigkeiten zusammen mit Tänzern aus anderen Ländern tanzen.
American Squaredancing ist eine Tanzart deren Eigenart und besondere Unterhaltung darin besteht, dass die Tänzer nicht selbständig bestimmen, welche Figuren sie gerade tanzen wollen, sondern das machen müssen, was Ihnen ein "Caller" gerade ansagt. Der Caller spricht jeweils eine bestimmte Gruppe innerhalb des Squares an, die dann die angesagte Figur tanzen müssen. Kein Tanz ist wie der andere, es gibt für die Tänzer keine vorher festgelegte Choreographie, der Tanz entsteht in dem Moment, in dem ihn der Caller singt.
Wenn man in einen Square Dance Club graduiert werden will, sind 66 verschiedene Figuren zu lernen. Gerade deshalb ist Square Dance auch für ältere Leute ein schönes Hobby, nicht nur der Körper sondern auch das Gehirn mittrainiert wird. BTW: Außerdem geht man an einem durchschnittlichen Tanzabend in den zwei Stunden rund acht Kilometer, das hält auch körperlich fit. Ein großes Plus des Square Dance ist, dass man es dann nach der Graduation auf der ganzen Welt tanzen kann, denn die Figuren sind international festgelegt.
In einer Studie der Universität Regensburg zeigte sich übrigens, dass bei Senioren das Erlernen von Karate neben einer Verbesserung der körperlichen Gesundheit auch positive Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und der individuellen Befindlichkeit herbeiführt. Vor allem die Merkleistung sowie die visuelle Merkfähigkeit verbesserten sich dabei besonders, was vermutlich auf den Umstand zurückzuführen ist, dass die Senioren im Zusammenhang mit dem Karatetraining komplizierte Bewegungsabläufe im Gedächtnis behalten mussten. Auch beim Erlernen des Tanzens sind komplexe Schrittfolgen einzuprägen.
Auch bei SeniorInnen gibt es nur wenige, die wirklich völlig unmusikalisch sind, doch wer in der Lage ist, Musikstücke zu erkennen, kann grundsätzlich auch lernen, ein Instrument zu spielen. Wenn jemand ein Musikinstrument lernt, verändern und entwickeln sich eine Reihe von Gehirnarealen, denn es gibt nicht ein Musikzentrum im Gehirn, wie man früher angenommen hatte, denn beim Erlernen muss man die Augen-Hand-Koordination verbessern, sodass auch motorische Areale gefordert werden. Auch die auditiven Gehirnregionen verändern sich, je besser man Ton und Rhythmus erfasst und der Frontalkortex muss sich entwickeln, wenn man Musik zu einem Ganzen zusammenfügen möchte. Dadurch kann das späte Erlernen eines Musikinstruments auch das Körperbewusstsein verbessern, also ein Gefühl für Haltungen und für Bewegungen entwickeln. Man sollte dabei aber mindestens dreimal die Woche fünfundvierzig Minuten spielen, d.h., es muss zur Gewohnheit, zu einem Teil des Lebens werden. Aktiv Musik zu machen fördert allmählich auch das Bewusstsein für die Welt um einen herum, wobei Studien zeigen, dass Musiker generell in vielen Dingen besser sind als Nichtmusiker.
Auch beim Besuch von Tanzaufführungen reagieren spezielle Schaltkreise im Gehirn (Spiegelneuronen) auf Emotionen und Bewegungen anderer Menschen, d.h., unwillkürlich entstehen in diesen Gehirnbereichen ähnliche Aktivitätsmuster wie bei den gerade beobachteten Tänzern. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass nur die reine Beobachtung des Tanzens das Spiegelsystem aktiviert und eine Art Trainingseffekt im Gehirn bewirkt. Auch Zuschauer, die nie die auf der Bühne gezeigten Bewegungen ausgeführt haben, zeigen Veränderungen in ihrer Gehirnaktivität, wenn sie bereits häufiger solche Aufführungen besucht haben. Offensichtlich löst das Spiegelsystem im Gehirn eine direkte Resonanz in der Muskel- und Gehirnaktivität aus, und zwar völlig unbewusst und unabhängig von der Vorerfahrung der ZuschauerInnen. Aber es spielt auch das Mitempfinden und die Kenntnis der ZuschauerInnen, also wenn man sich bei einem Tanz besonders intensiv in die Handlung und Bewegungen hineinversetzten. Übrigens ahmt das Gehirn die Bewegungsmuster nur so nach, wie sie ein unerfahrener Tänzer durchführen würde, nicht mit der Perfektion eines Profitänzers, denn Tänzer etwa unterstützen die Armbewegungen mit den Rückenmuskeln, um die Armmuskeln zu entlasten, doch fehlen diese Signale für diese Muskelaktivität bei ZuschauerInnen.
Quellen
http://tanzen.lerntipp.at/99/tanzen-ist-gesund/ (11-08-21)
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48257/
Senioren_sollten_Karate_machen.htm (11-12-02)
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Interview-Marcus (11-12-09)
http://www.fr-online.de/wissenschaft/
spiegelneuronen-tanzen-trainiert-muskeln-und-gehirn-der-zuschauer,1472788,11980862.html (12-03-24)
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